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Bomben
kommen einfach in den Sack
In Flugzeugen sollen Sprengsätze künftig ohne Gefahr
gezündet werden können
By Die Welt, 28. 10. 2002
Luxeuil-les-Bains - Gesinnungsgenossen des "Schuhbombers"
Richard Reid soll es schwerer gemacht werden: Das französische
Sicherheitsunternehmen Sema will Sprengsätze in Flugzeugen,
wenn sie denn entdeckt wurden - das ist allerdings auch Voraussetzung
- in speziellen Säcken explodieren lassen, ohne dass
Schaden entsteht.
An Bord eines Jets von Paris nach Miami hatte Reid im Dezember
2001 versucht, eine in seinem Absatz versteckte Sprengladung
zu zünden. Doch der Geruch der Streichhölzer, mit
denen er seine Bombe anstecken wollte, verriet ihn. Vorstellbar
ist aber auch, dass ein Sprengsatz gefunden wird, von dem
unklar bleibt, ob er "scharf" ist und ohne weiteres
Zutun explodiert. In diesem Fall wäre das kontrollierte
Zünden sinnvoll.
"Wir haben uns gefragt: Wie kann man eine derartige
Bombe in einem begrenzten Raum unschädlich machen, ohne
das Leben der Passagiere zu gefährden?", sagt Sema-Chef
Charles Laubie. Ein halbes Jahr nach dem gescheiterten Attentat
ließ sich seine Firma, die unter anderem als Hersteller
von kugelsicheren Westen bekannt wurde, den "Flight Bomb
Killer" (FBK) schützen. Dieser "Killer fliegender
Bomben" sieht aus wie eine verschnürte, schwarze
Reisetasche. Der bis zu 20.000 Euro teure Sack und mehrere
Innenbehälter können typische Bombenverstecke wie
Notebook-Computer fassen. Im Inneren steckt eine im Wortsinne
bombensichere Technik: Der FBK absorbiere den Explosionsdruck
von bis zu 200 Gramm Plastiksprengstoff, sagt Sema-Technikchef
Patrick Larcher. Mehr könne ein Terrorist ohnehin nicht
unentdeckt an Bord schmuggeln. Die kugelsichere Innenhaut
soll einer Sprengkraft von bis zu 25 Tonnen standhalten und
Bomben förmlich ersticken. "Das Ganze hebt sich
ein wenig in die Luft, etwas Rauch entweicht - aber die Umgebung
bleibt intakt", so Larcher.
Nach einem ähnlichen Prinzip entwickelte Sema einen
Abwehrschirm für Bomben an Flughäfen, Bahnhöfen,
Sportstadien, Einkaufszentren und andere öffentliche
Plätze. Der "Ground Bomb Killer" (GBK) soll
rasch um einen entdeckten Sprengsatz ausgebreitet werden.
Er faltet sich um das Fünffache aus und schraubt sich
wie ein Schornstein in die Luft. Bis zu 15 Tonnen Sprengkraft
leitet der Schirm laut Hersteller ab. Die Wucht der Explosion
gehe allein nach oben. Damit müsse zwar weiterhin die
Umgebung evakuiert werden, der Kreis könne aber deutlich
verkleinert werden. Ein Vergnügungspark orderte die ersten
Exemplare des bis zu 5200 Euro teuren GBK. Der teurere Flugzeugbomben-"Killer"
wird ab morgen auf der Luftfahrt-Sicherheitstechnikmesse AVSEC
World in Rom vorgeführt.
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